Wirtschaftlicher Wandel und technische Transformationen, wie wir sie derzeit durch KI erleben, können Mitarbeitende verunsichern. Wie gelingt es Ihnen dennoch, Mitarbeiter*innen in herausfordernden Zeiten zu halten?
Marisa Leutenecker zeigt auf, wie Arbeitgebermarke, Unternehmenskultur und Lernangebote dazu beitragen, Mitarbeitende in Transformationsprozessen zu halten, zu stärken und zu begeistern.
bvik: Wirtschaftlicher Wandel verunsichert Mitarbeitende in Industrieunternehmen. Warum ist Employer Branding gerade jetzt ein strategisches Führungsinstrument und kein reines HR-Thema mehr?
Transformation erzeugt Unsicherheit und genau dann brauchen Mitarbeitende Orientierung, Identifikation und ein klares Zukunftsbild. Employer Branding wird damit zum strategischen Führungsinstrument: Eine starke Arbeitgebermarke gibt Halt im Wandel und unterstützt gleichzeitig dabei, die richtigen Talente zu halten und zu gewinnen.
Viele Unternehmen starten Change-Prozesse ohne klare Kommunikationsstrategie. Was sind die häufigsten Fehler, die du in der Praxis bei Industrieunternehmen beobachtest?
Einer der häufigsten Fehler ist, Kommunikation zu spät zu starten. Häufig erst dann, wenn Entscheidungen bereits getroffen und Gerüchte längst entstanden sind. Hinzu kommt eine fehlende Zielgruppenorientierung: Transformation betrifft einen Produktionsmitarbeitenden anders als eine Führungskraft, entsprechend unterschiedlich muss auch die Kommunikation sein.
Stichwort Unternehmenskultur: Warum ist sie das stärkste Differenzierungselement im Employer Branding und wie lässt sie sich systematisch analysieren und nutzbar machen?
Benefits, Karriereprogramme oder sogar Arbeitsmodelle sind kopierbar – Unternehmenskultur ist es nicht. Entscheidend ist deshalb, systematisch zu analysieren, wie tatsächlich geführt, entschieden und zusammengearbeitet wird; genau daraus lassen sich die authentischen Differenzierungsmerkmale einer Arbeitgebermarke ableiten.
Die Employer Value Proposition (EVP) ist das Herzstück jeder Arbeitgebermarke. Wie entwickelt man eine EVP, die im Transformationskontext wirklich trägt?
Eine tragfähige EVP entsteht nicht als Marketingkampagne, sondern in einem strategischen Prozess gemeinsam mit Mitarbeitenden, Führungskräften, HR und Kommunikation. Gerade in der Transformation gilt dabei: Erst intern einlösen, dann extern versprechen, sonst verliert eine Arbeitgebermarke sehr schnell an Glaubwürdigkeit.
Talentbindung in der Transformation ist eine der größten Herausforderungen für Industrieunternehmen. Welche Maßnahmen wirken wirklich und was hält Mitarbeitende in unsicheren Zeiten?
In unsicheren Zeiten bindet nicht das Versprechen, dass alles gut wird, sondern Transparenz und eine glaubwürdige Zukunftsperspektive. Besonders relevant sind dabei sichtbare Entwicklungs- und Lernmöglichkeiten: Mitarbeitende müssen erkennen können, welche Rolle und Perspektive sie auch in einer veränderten Organisation haben und wie sie dabei unterstützt werden, notwendige Zukunftsfähigkeiten wie z. B. den Umgang mit Künstlicher Intelligenz zu erlernen.
Mitarbeitende als Botschafter*innen in der Transformation: Wie gelingt es, die eigene Belegschaft zu aktiven Fürsprecher*innen der Arbeitgebermarke zu machen?
Corporate Influencer und Employee Advocacy funktionieren nur auf Basis von echter Identifikation. Die Aufgabe des Unternehmens ist deshalb nicht, Kommunikation zu kontrollieren, sondern Mitarbeitende zu befähigen – mit Training, Orientierung und relevanten Inhalten, die sie anschließend mit ihrer eigenen Stimme u. a. auf LinkedIn transportieren können.
Lern- und Weiterbildungskultur als Employer-Branding-Hebel: Wie lässt sich eine echte Lernkultur im Unternehmen verankern und nach außen kommunizieren?
Eine echte Lernkultur zeigt sich vor allem darin, welchen Stellenwert Lernen im Arbeitsalltag tatsächlich hat. Gibt es Raum zum Ausprobieren, dürfen Fehler gemacht werden und leben Führungskräfte kontinuierliche Entwicklung selbst vor? Gerade in der Transformation wird das zum entscheidenden Faktor, denn Unternehmen, die Lernen ermöglichen und sichtbar machen, stärken nicht nur ihre Veränderungsfähigkeit, sondern bieten Mitarbeitenden echte Zukunftsperspektiven. Und genau das macht sie auch als Arbeitgeber attraktiv.
Du vermittelst dein Know-how in der B2B-Kompetenz-Werkstatt „Mitarbeitende im Wandel begleiten“. Für wen ist dieser Kurs ein Muss und was nehmen die Teilnehmenden konkret mit nach Hause?
Der Kurs richtet sich an HR- und Marketingverantwortliche sowie Führungskräfte, die Transformation nicht nur kommunizieren, sondern aktiv gestalten wollen. Wir verbinden strategisches Know-how mit konkreten Praxisfällen aus dem Industrieumfeld und die Teilnehmenden arbeiten direkt an ihren eigenen Herausforderungen, sodass am Ende konkrete Ansätze und Maßnahmen für das eigene Unternehmen stehen. Dabei wird auch immer wieder gezielt auf die Einsatzmöglichkeiten von KI hingewiesen.
Marisa, wenn du eine Person kennst, die noch zögert, diesen Kurs zu buchen: Was würdest du ihr sagen?
Wer Wandel gestalten will, muss verstehen, wie man Menschen dafür gewinnt. Und genau darum geht es in diesem Kurs. Neben konkretem Handwerkszeug ist gerade der Austausch in der kleinen Gruppe ein großer Mehrwert: unterschiedliche Perspektiven, echte Praxisfälle und Lösungen, die sich anschließend direkt im eigenen Unternehmen anwenden lassen.
Intensivkurs: Mitarbeitende im Wandel begleiten
Als Dozentin unseres Kurses „Mitarbeitende im Wandel begleiten“ zeigt Marisa Leutencker Ihnen, warum Employer Branding und Change-Kommunikation strategische Führungswerkzeuge in der Transformation sind, um Orientierung, Sicherheit und Motivation in unsicheren Zeiten zu schaffen. Entdecken Sie hier alle Kursinhalte!
