Mit Wettbewerbern gemeinsame Sache machen? Genau das hat ein Netzwerk im Schaltschrankbau gewagt: Fünf führende Unternehmen bündeln ihre Kräfte, um die Herausforderungen der Branche gemeinsam zu meistern. Im Fokus stehen nicht Leads, sondern nachhaltige Demand Generation, Reputationsaufbau, Wissenstransfer und ein partnerschaftliches Netzwerk auf Augenhöhe.
Ziel ist es, die Wettbewerbsfähigkeit des Steuerungs- und Schaltanlagenbaus in Deutschland zu sichern und die Branche gemeinsam in die Zukunft zu führen – von der Manufaktur zur Smart Factory. Phoenix Contact ist eines der Unternehmen, Detlef Kloke wird deshalb mit zwei weiteren Vertreter*innen, Gabriele Geiger und Thomas Heberlein, beim TIK 2026 sprechen und uns hat er im Interview jetzt schon ein paar Infos verraten!
bvik: Sie sind Mitbegründer der Initiative SchaltschrankGESTALTER. Was steckt hinter dieser innovativen Branchenplattform?
Detlef Kloke: Die SchaltschrankGESTALTER sind eine Initiative, die auf Augenhöhe agiert und den Mehrwert für Kundinnen und Kunden konsequent in den Mittelpunkt stellt. Unser Ziel ist klar: Wir wollen den deutschen Steuerungs- und Schaltanlagenbau dabei unterstützen, zukunftsfähig zu bleiben. Die Branche steht vor großen Veränderungen – und genau hier setzen wir an. Wir gestalten gemeinsam, wir lernen voneinander und wir schaffen Lösungen, die die Effizienz und Wettbewerbsfähigkeit unserer Kundschaft langfristig sichern.
Was ist aus Ihrer Sicht die größte Herausforderung für die Zukunftsfähigkeit der deutschen Industrie?
Die Vergangenheit war stark geprägt von einem intensiven Wettbewerbsdenken. Das war richtig und wichtig, um dorthin zu kommen, wo wir heute stehen. Doch angesichts der wachsenden Komplexität reicht das klassische Gegeneinander nicht mehr aus.
Die große Herausforderung liegt darin, das Vertrauen aufzubauen, dass man im Verbund stärker ist. Jede und jeder glaubt naturgemäß, etwas besser zu können als der Wettbewerber. Aber: Wenn man nimmt, muss man auch geben. Zukunftsfähigkeit bedeutet, Mehrwerte gemeinsam zu entwickeln, die kein Unternehmen mehr allein stemmen kann.
Trägt „Made in Germany“ noch oder brauchen wir ein neues Narrativ?
„Made in Germany“ kann in einer sich transformierenden Welt wieder ein echtes Qualitätsmerkmal sein – aber nur, wenn wir es weiterentwickeln. Es reicht nicht, sich auf Tradition zu berufen. Wir müssen dieses Label neu belegen: mit Innovationskraft, Offenheit, digitaler Exzellenz und partnerschaftlichen Wertschöpfungsmodellen.
Welche Rolle spielen die einzelnen Marken der beteiligten Unternehmen innerhalb der Plattform SchaltschrankGESTALTER?
Wir arbeiten bewusst vorwettbewerblich zusammen. Unsere gemeinsame Aufgabe ist es, die Herausforderungen und Potenziale unserer Zielgruppen ganzheitlich zu adressieren. Kundinnen und Kunden arbeiten in der Praxis oft mit mehreren Herstellern gleichzeitig – deshalb ist prozessuale, insbesondere digitale Durchgängigkeit für sie essenziell.
Die Differenzierung findet weiterhin über Produktmerkmale, exzellenten Service und tiefes Kundenverständnis statt. Wettbewerb bleibt bestehen und ist auch wichtig – aber wir denken stärker aus Kundensicht darüber nach, wie wir uns ergänzen können, um echten Nutzen zu generieren.
Gibt es in den Unternehmen Bedenken, dass die Markendifferenzierung durch die Kollaboration leiden könnte? Wie gehen Sie konkret mit dem Thema der Wettbewerbssituation innerhalb Ihrer Plattform-Initiative um?
Im Gegenteil: Die klare Trennung bleibt bestehen. Was sich jedoch ändert, ist der Blick auf den gemeinsamen Nutzen. Solange unsere Produkte und Services für Kundinnen und Kunden erkennbaren Mehrwert schaffen, bleibt auch der Wettbewerb lebendig. Die Zusammenarbeit stärkt uns, weil sie die grundlegenden Rahmenbedingungen verbessert, auf denen später differenzierende Leistungen aufsetzen.
Welche Rolle spielen einerseits Communitybuilding und B2H und andererseits Self-Service und E-Commerce im B2B-Business für die Zukunftsfähigkeit der Unternehmen und Branchen?
Zukunftsfähigkeit entsteht dort, wo Menschen sich vernetzen, austauschen und gemeinsam gestalten. Communitybuilding und ein echtes „Business to Human“-Verständnis sind zentrale Bestandteile davon.
Gleichzeitig brauchen wir leistungsfähige Self‑Service‑Modelle und digitale Commerce‑Plattformen, damit Unternehmen effizient handeln können. Die Zukunft des B2B ist hybrid: Persönliche Relevanz in der Interaktion – kombiniert mit digitaler Exzellenz im Prozess.
Am 25.06. sprechen Sie gemeinsam mit weiteren Vertreter*innen der SchaltschrankGESTALTER bei unserer Zukunftskonferenz, dem TAG DER INDUSTRIEKOMMUNIKATION, was können Sie den Teilnehmenden bereits jetzt verraten, was sie erwarten wird?
Die Teilnehmenden können erwarten, dass wir ein Tabu brechen:
Wettbewerber stehen nicht gegeneinander, sondern gemeinsam auf der Bühne. Und genau darin liegt die Botschaft unseres Beitrags.
Wir zeigen, warum Category Enablement zum neuen Erfolgsfaktor wird: Es geht nicht mehr darum, Leads „einzusammeln“, sondern den Markt so zu befähigen, dass bessere Entscheidungen überhaupt möglich werden. Wir machen deutlich, wie Wissen, Klarheit und Standards die gesamte Branche stärken – und warum Unternehmen, die ihre Kategorie entwickeln, am Ende auch die besseren Geschäfte machen.
Dazu bringen wir konkrete Beispiele mit: Was funktioniert, wo Kooperation an Grenzen stößt und welche Spielregeln gelten müssen, damit Zusammenarbeit in komplexen Märkten echten Nutzen stiftet.
Unser Kernimpuls:
Mut schlägt Silodenken. Wer die Kategorie stärkt, stärkt am Ende auch sich selbst.
Neben den SchaltschrankGESTALTERN erwarten Sie viele weitere spannende Industrie-Cases, Keynotes und Impulse beim TIK 2026 am 25. Juni in Fürstenfeldbruck. Sichern Sie sich jetzt Ihr Ticket!
