Nachhaltigkeit ist integraler Bestandteil der Unternehmens-DNA!

Anlässlich des Earth Day am 22. April sprach der bvik mit Dr. Bastian Bach von Schneider Electric, das kürzlich als nachhaltigstes Unternehmen der Welt ausgezeichnet wurde. Bach macht deutlich, dass dem Thema Nachhaltigkeit eine immer größere Bedeutung für die Unternehmensstrategie zukommt. Er erläutert den Impact nachhaltigen Handelns auf Marketing und Kommunikation und gibt Tipps für eine nachhaltige Zukunft.

Dr. Bastian Bach, Schneider Electric GmbH
Director Safety & Sustainability

Dr. Bastian Bach ist Sicherheitsingenieur und wurde im Bereich der Umweltverfahrenstechnik promoviert. Nach Stationen in Industrie, Wirtschaftsprüfung und Strategieberatung leitet er den Bereich Umweltschutz, Arbeitssicherheit sowie Nachhaltigkeit bei Schneider Electric seit über fünf Jahren. Er ist Lehrbeauftragter für nachhaltige Entwicklung an der Bergischen Universität Wuppertal und leitet den Arbeitskreis Nachhaltigkeit und Sustainable Development Goals beim Industrieverband ZVEI.  Bildquelle: Schneider Electric GmbH

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bvik: Lieber Herr Dr. Bach, das Thema „Nachhaltigkeit“ hält immer stärker Einzug in Unternehmen. Was verbinden Sie persönlich mit diesem Begriff und wie sehen Sie diesen im B2B-Umfeld?

Dr. Bastian Bach: Schneider Electric und ich persönlich verbinden damit eine ganzheitliche Herangehensweise in der Unternehmensstrategie. Nachhaltigkeit ist bei weitem mehr als eine Image-Strategie oder Marketing-Kampagne. Ganz gleich, ob Produkte oder Dienstleistungen – unser ganzes Geschäftsmodell basiert auf smarten, nachhaltigen Lösungen. Allein mit EcoStruxure, unserer offenen, kompatiblen und IoT-fähigen Lösungsarchitektur, konnten wir von 2018 bis 2020 im Kundenumfeld mehr als 134 Millionen Tonnen CO₂ einsparen. Im B2B-Umfeld sehen wir als Vorreiter in diesem Bereich eine stark wachsende Aktivität und Nachfrage bezüglich der Nachhaltigkeits-Performance. Hier gilt es mittlerweile, jederzeit authentisch und nachweislich nachhaltig aufgestellt zu sein, was mithin auch mehr und mehr geschäftsentscheidend wird. Dies gilt im Übrigen auch für die politische und gesellschaftliche Ebene, wo sich zurzeit schon sehr viel in Richtung „Große Transformation“ bewegt und noch mehr zu erwarten ist.

Schneider Electric will bis 2025 elf konkrete Nachhaltigkeitsziele erreichen. Gleichzeitig wurde der Energiespezialist zum nachhaltigsten Unternehmen der Welt gekürt. Was bedeutet dem Unternehmen diese Auszeichnung und was war/ist die Intention für diesen Einsatz für Nachhaltigkeit?

Bach: Die Auszeichnung verstehen wir als große Anerkennung unserer bisherigen Anstrengungen und als enormen Ansporn für die Zukunft. Sich nachhaltig zu entwickeln ist eine Reise, und wir haben in der Tat noch eine sehr lange Wegstrecke vor uns. Die Intention diesen Weg zu gehen basiert auf unserer seit über 20 Jahren bestehenden Überzeugung, dass wir als Unternehmen einen entscheidenden Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung leisten können. Wir haben heute in Europa, China und Nordamerika 13 Fabriken, die CO₂-neutral betrieben werden. Sie sind energieeffizient und arbeiten mit erneuerbaren Energien. Mit unseren Dienstleistungen und Produkten helfen wir wiederum unseren Kunden dabei, nachhaltiger zu werden.

Als Unternehmen können wir einen positiven Einfluss ausüben und zum gesellschaftlichen Fortschritt beitragen. Wir leisten Pionierarbeit bei digitalen Lösungen für Nachhaltigkeit. Wir haben auch die Verantwortung, eine widerstandsfähige und nachhaltige Zukunft zu schaffen, in der Energie und Digitales für alle verfügbar sind. Dies sind grundlegende Menschenrechte, die den Zugang zu einem menschenwürdigen und sicheren Leben durch Bildung und Wirtschaft ermöglichen.

Wie schätzen Sie den Impact der Nachhaltigkeit auf die Marketing- und Kommunikationsabteilungen ein? Welchen Beitrag kann das Marketing zur Nachhaltigkeit leisten?

Bach: Nachhaltigkeit ist nicht nur ein Thema, sondern unser Geschäft, also ein integraler Bestandteil der Unternehmens-DNA – und damit auch der Marketing- und Kommunikationsabteilung. Damit einhergehend müssen sich Nachhaltigkeitsthemen im gesamten Marketing-Mix widerspiegeln. Sustainability-Marketing treibt den Wandel des Unternehmens, das sich als Teil eines umfassenderen sozialen, wirtschaftlichen und ökologischen Systems versteht. Dabei gilt es, die definierten Businessziele strategisch und operativ in nachhaltige Lösungen, Kommunikation und Vermarktungsstrategien umzusetzen. Nachhaltig soziale und ökologische Markenerlebnisse zu entwickeln und zu vermarkten, trifft auf fruchtbaren Boden, wie es sich auf gesellschaftlicher Ebene etwa bei Digital Natives bzw. bei der „Generation Greta“ bereits abzeichnet. Damit wird Schneider Electric ein attraktiver Arbeitgeber im „War for Talents“. Der Nachhaltigkeitstrend entwickelt aber auch eine Sogwirkung im B2B-Bereich, das heißt, Nachhaltigkeitskriterien werden für die Kaufentscheidungen zunehmend wichtiger. Erfolgreiches Marketing heißt in diesem Sinne, dass Schneider im gesellschaftlichen Diskurs mit folgenden Themen assoziiert wird: nachhaltiges Wirtschaften, digitalen Konnektivität und Energieeffizienz.

Im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie sind digitale Event-Formate förmlich aus dem Boden geschossen. Für viele sind digitale Veranstaltungen umweltfreundlicher, grüner, nachhaltiger als Präsenz-Events, da beispielsweise Reisen wegfallen. Wie ist Ihre Meinung hierzu und wie schafft man die Balance zwischen Nachhaltigkeit und dem notwendigen Face-to-Face-Kontakt im B2B-Bereich?

Bach: Digitale Event-Formate sind für unsere Teams nicht wirklich eine große Umstellung, jedoch sehen wir, dass dies für unsere Kunden teilweise eine echte Herausforderung ist. Schneider setzt schon lange auf flexibles Arbeiten – ein modernes, durchdigitalisiertes Arbeitsumfeld macht es den Mitarbeitenden möglich, unabhängig vom jeweiligen Standort ihr Bestes zu geben. Remote-Meetings sind nicht weniger effektiv als Face-to-Face-Kontakte. Das lässt sich eins zu eins auf digitale Events übertragen. Das Bedürfnis, mit Menschen am Tisch zu sitzen und Projekte zu besprechen, bleibt allerdings bestehen. Meine Prognose: Präsenz-Events und Branchentreffs werden bleiben, einzelne Bereiche verlagern sich aber dauerhaft auf die virtuelle Ebene. Ein Entweder-oder gibt es nicht – die Zukunft ist hybrid.

Was sind Ihrer Meinung nach die größten Herausforderungen, mit denen sich B2B-Marketer 2021 und auch zukünftig auseinandersetzen müssen?

Bach: In den letzten Monaten hat die Digitalisierung einen weiteren Schub bekommen. Virtuelle Kollaboration, digitalisierte Marketing- und Vertriebsprozesse, Online-Events sowie die schnelle Kommunikation zu allen Stakeholdern über digitale Kanäle gewinnen an Attraktivität und Akzeptanz. Das bietet Chancen, birgt aber auch Gefahren, die ich am Beispiel Events verdeutlichen möchte: Top-Fachkräfte für Live-Messen sind nicht automatisch auch qualifiziert für die Transformation von Events in digitale Kanäle. Dies ist für alle Beteiligten eine nicht zu unterschätzende Herausforderung. Unter anderem geht der Weg hin zum eigenen themenbezogenen virtuellen Showroom. Neben der individualisierten Produktpräsentation steht hier die Customer Experience im Vordergrund, die hochwertiger und passgenauer Inhalte bedarf. Dazu müssen Partner ins Boot geholt werden, die neben dem technischen Know-how auch Erfahrungen in der passenden Content-Gestaltung und Inszenierung haben. Darüber hinaus: Social Selling und digitale Formate gewinnen weiterhin an Bedeutung. Auch in der Nach-Corona-Zeit wird es stärker darum gehen, Kunden über digitale Kanäle zu binden, Leads zu generieren und neue Kunden zu gewinnen. Dabei kommt es stark auf das eigene Profil, Abgrenzbarkeit und Sichtbarkeit an. Sonst besteht die Gefahr, im allgemeinen Marketinggetöse des Wettbewerbsumfelds unterzugehen.

Haben Sie Tipps, wie es Unternehmen gelingt, sich und ihre Produkte fit für eine nachhaltige Zukunft zu machen?

Bach: Wie bereits erwähnt, ist ein ganzheitlicher Ansatz essenziell. Natürlich muss ich mich zum einen mit meinem eigenen Einfluss auf die Umwelt und die Gesellschaft beschäftigen. Das tun wir auch, beispielsweise in unseren Bestrebungen zur baldigen Klimaneutralität, Elektrifizierung der Flotte, einer möglichst diversen und inklusiven Aufstellung usw., und können so glaubwürdig als Role Model im Markt agieren. Zum anderen umfasst der Lebenszyklus unserer Angebote nicht nur die Produktion, sondern auch eine Zuliefererkette und idealerweise diverse Nutzungsphasen. Dabei gilt es sich über Industriekollaborationen weiter zu entwickeln, Wissen weiterzugeben, Effizienz voranzutreiben und innovativ zu sein – beispielsweise durch neue Geschäftsmodelle wie sie die Circular Economy anbietet.

Erlauben Sie uns ganz zum Schluss noch eine private Frage: Am 22. April ist der offizielle „Earth Day“. Im Jahr 2021 gilt global das weltweit verkündete internationale Motto: „Restore our Earth“. Dazu gehören eng verflochten auch unsere Ernährungsweisen. Deshalb hat Earth Day in Deutschland (auch unter dem Blickwinkel der Covid-Pandemie) das Thema „nachhaltige Ernährung“ in den Mittelpunkt gesetzt. Wir wichtig ist Ihnen im privaten Bereich dieses Thema?

Bach: Das Thema ist sehr wichtig für mich und meine Familie, denn neben den eher technischen Ressourcen-Schwerpunkten Gebäudeenergie und Mobilität hat man hier einen sehr großen persönlichen Hebel, seinen Footprint positiv zu beeinflussen. So betreiben wir einen Gemeinschaftsgarten, der uns natürlich ohne Einsatz von Chemie regelmäßig mit veritablen Mengen Gemüse, Obst und Honig versorgt sowie einen schönen Kontrast zur Arbeit gerade in Zeiten der Corona-Pandemie bietet. Dies wird auch von den Kindern gerne angenommen. Für alles weitere kann der persönliche Unterschied umso größer ausfallen, je regionaler, saisonaler, ökologischer und veganer man einkauft, was zugegebenermaßen (noch) nicht immer gelingt.

 


Checkliste: 5 Tipps für ein nachhaltiges Unternehmen

  • Nachhaltigkeit zum Kern der Geschäftstätigkeit machen.

  • Nachhaltigkeit in alle Bereiche des Unternehmens integrieren; alle zusammen sind zuständig und verantwortlich, jeder Schritt zählt.

  • Transformativ sein und sich neu bietende Chancen nutzen.

  • In der komplexen Wirtschaftsumgebung mit anderen kollaborieren.

  • Glaubwürdig, transparent und engagiert bleiben.